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Bewusst entscheiden

Der Chef soll entscheiden!

Gerade in größeren Organisationen werden Entscheidungen durch die Ranghöchsten getroffen. Schützt das vor Überforderung mit zu viel Verantwortung oder entmündigt es den Einzelnen und schränkt unnötig ein? Doch warum entscheidet nicht die Person, die die meiste Expertise in diesem Bereich hat?

BEWUSSTES ENTSCHEIDEN IN KOMPLEXITÄT – Was ist das eigentlich?

Je komplexer die Welt wird, desto mehr kommt es auf ganzheitlich tragfähige Entscheidungen an. Für dich geht es darum, zunehmend besser deine Entscheidungsmuster kennen zu lernen und immer zielsicherer aus der Intuition heraus handeln zu können. Auf organisationaler Ebene befassen wir uns mit Methoden und Tools, um Komplexität zu verstehen und Entscheidungen auf dem jeweils passenden Komplexitätsniveau zu treffen.

BEWUSSTES ENTSCHEIDEN IN KOMPLEXITÄT
Was ist das eigentlich?
Entscheiden durch Offenheit und Vertrauen in die
Organisation – weil wir gemeinsam mehr wahrnehmen.

In unserer schnelllebigen und komplexen Welt gibt es häufig keine eindeutigen Szenarien und Schlussfolgerungen, sondern vielmehr basieren Entscheidungen auf einer Vielzahl an Parametern, Wahrscheinlichkeiten und Unsicherheitsfaktoren. Das verdeutlicht uns, wie viel Last auf den Schultern der Führungskräfte liegt, die quasi gar nicht alle notwendigen Informationen kennen können, um eine „sichere“ Entscheidung zu treffen.

Doch wie sollen zeitnah Entscheidungen in der Organisation getroffen werden, z.B. zu den fluiden Bewegungen und Änderungen am Markt oder dem Reaktionsverhalten zu den stetig neuen Kundenbedürfnissen?

Antworten werden nicht mehr von einer Person gegeben, sondern vom gesamten Kreis. Alle MitarbeiterInnen sind somit „Sensoren“. Sensoren im Sinne von aktiver Wahrnehmung was um sie herum passiert, mit ‚ausgestreckten Fühlern‘ wo es Potenziale in der Zusammenarbeit, Prozessabläufen oder im Markt gibt. Mit dieser offenen und aktiven Haltung können Verbesserungen wesentlich schneller identifiziert und tatsächlich eingeleitet werden – denn mehr als zwei Ohren bekommen nun mal auch mehr mit.

Alternative Ansätze für gemeinsames Entscheiden werden oft als unkoordiniertes „dann macht ja jeder was er oder sie will“ angesehen, was jedoch keineswegs der Fall ist! Kooperativ getroffene Beschlüsse sind Ergebnis eines transparenten und strukturierten Austausches auf Augenhöhe, in welchem alle ein aktiver Teil der Entscheidungsfindung sind. Das Ergebnis wird nachhaltig mitgetragen.

Hierfür gibt es regelmäßig spezielle Meetings, in denen gemeinsam Entscheidungen getroffen werden, um bewusst an der Organisation zu arbeiten. Dabei werden vertrauensvoll alle Vorschläge zur Organisationsverbesserung angehört und bearbeitet. Entsprechend dem Motto ‚safe enough to try‘ wird ein Vorschlag umgesetzt, sobald es keine schwerwiegenden Einwände gibt. So wird ein fauler Kompromiss oder eine langwierige perfekte Lösung vermieden.

Alle Stimmen haben den gleichen Stellenwert und es gibt auch kein Vetorecht der Führungskräfte. Entscheidungen werden bewusst und verantwortungsvoll von allen getroffen und der Prozess dahinter hat einen festen Platz und hohen Stellenwert in der Organisation.

Im operativen Geschäft sind tagtäglich viele Entscheidungen zu treffen. Damit man hier selbstständig und unkompliziert agieren kann, werden Entscheidungsbereiche in Rollenbeschreibungen klar festgelegt. In diesen eindeutig abgesteckten Handlungsbereichen können dann jegliche inhaltlichen und operativen Entscheidungen getroffen werden ohne Abstimmungen mit oder Bestätigung durch eine Autoritätsfunktion. Entscheidungsfreiheit bringt somit auch Entscheidungsverantwortung.

Wie trefft ihr Entscheidungen in der Organisation? Seid ihr in eurem Umfeld häufig mit komplexen Sachverhalten konfrontiert? Wir freuen uns auf einen Austausch über eure Erfahrungen!

geschrieben von Liliana Simon