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Spannungen in Schwebe halten

Auch mal aushalten

Das Unwissen auf Fragestellungen, die Unsicherheit bei Entscheidungen, die Unklarheit bei der Zukunftsvision – all das muss man auch mal durchstehen können. Diese Liste könnten wir lange weiterführen, doch vor allem kennen wir alle nur zu gut das Gefühl der Unwissenheit und des „in Schwebe Haltens“.

SPANNUNGEN IN SCHWEBE HALTEN – Was ist das eigentlich?

An dieser Station machen wir unseren Geist und unsere Vorstellungen, was geschehen soll, nochmal komplett frei und halten das, was bis jetzt an Möglichkeiten da ist, bewusst in Schwebe. Wir müssen noch nicht auf jede Frage eine Antwort finden, sofort entscheiden, alles im Griff haben. Wir halten aus, Fragen als ungeklärt, Themen als unbearbeitet und Zukunftsvisionen als noch nicht kristallklar zu sehen.

SPANNUNGEN IN SCHWEBE HALTEN
Was ist das eigentlich?
Wo spüre ich noch Spannungen im Sinne
von möglichen positiven Veränderungspotenzialen?

In einer Organisation wird es als ungewöhnlich aufgenommen, wenn nicht sofort die Antwort parat steht oder jetzt gehandelt wird – vor allem an Führungskräfte wird die Erwartung gelegt, stets auskunfts- und entscheidungsfähig zu sein. In Schwebe halten bedeutet, dass wir nicht alles wissen und Antworten erst gemeinsam finden oder erarbeiten.

Bei neuen Zusammenarbeitsmodellen und modernen Führungsstilen wird viel Wert darauf gelegt, Lösungen gemeinsam in einem co-kreativen Prozess zu gestalten und sich Schritt für Schritt im Teamwork an Herausforderungen heranzutasten. Denn alle Mitarbeitenden können aus Ihrer Expertise, Erfahrungen und Ansichten einen wertvollen Beitrag liefern, um Lösungen zu gestalten und das Unternehmen kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Insbesondere in Führungspositionen ist es relevant, den KollegInnen den Kreativraum zu geben, Antworten selbst zu finden und gleichzeitig darauf zu vertrauen, dass gemeinschaftlich ein dienlicher Weg gefunden wird. Dafür braucht es ein offenes und wertschätzendes Ohr, eine beobachtende Haltung, sowie Gelassenheit, an Diskussionen auch einmal nicht teilzunehmen, selbst wenn diese möglicherweise anders verlaufen als man es für richtig hält.

Mit einem offenen Geist und dem Vertrauen, dass Lösungen auch Zeit und mehr als eine Person zur Entwicklung brauchen, können wir Unsicherheit gelassen begegnen: „In Schwebe halten“ darf und sollte sein! Es symbolisiert Kraft und Weisheit, in ganzheitlicher Aufmerksamkeit den Raum für das Nicht-Wissen zu halten, aus dem das Neue als wesentliches zartes Pflänzchen erwachsen darf.

Wie gehst du mit dem Bedürfnis um, in Gesprächen sofort eine Antwort, Gegenargument, passende Geschichte parat zu haben? Kannst du Unwissenheit und Stille gut aushalten? Verratet es uns.

geschrieben von Liliana Simon